Rückschnitt einer Satsuki Azalee


„Azaleentag“ des Arbeitskreises Augsburg in der Zooschule des Augsburger Zoos

von Otto Ellenrieder

Azaleen werden von vielen Bonsaifreunden als die schönsten Bäume des Frühsommers betrachtet. Die Blütenpracht dieser Pflanzen überrascht selbst Kenner immer wieder aufs Neue.
Ob rein-weiß, rosa, purpur oder lachsfarben, eine Azaleenblüte zu erleben ist ein Ereignis, auf das der Bonsaifreund das ganze Frühjahr wartet. Ist es dann so weit, wird der Baum behütet und bei jedem Regenschauer insTrockene gebracht um die Blütenpracht nicht vorzeitig verwelken zu lassen.
Selbst nach der Blüte ist eine Azalee ein sehr attraktiver Bonsai, der seinen Besitzer durch seinen Aufbau, sowie durch die ansprechende rotbraune Rinde des glatten Stammes und das satte, tiefe Grün seines Laubes erfreut.
Kurzum, ein Bonsai, der alle Ansprüche, die ein „Bonsaianer“an einen Baum stellt, erfüllt.

Eine Überraschung erlebt man aber, wenn bei Bonsaifreunden die Rede auf Azaleen kommt. So sehr diese Bäume wegen ihrer Attraktivität geschätzt sind, so sehr sind sie aber gefürchtet. Bei Gesprächen wird immer wieder die Empfindlichkeit dieser Bäume hervorgehoben.

 „Sie sind schwierig zu halten!“
 „Die Pflege dieser Pflanze ist zu kompliziert!“
 „Ich komm mit einer Azalee nicht zurecht!“
 „Azaleen sind zu empfindlich!“
 „Meine Azalee, die ich für teures Geld erstanden hatte, war nach drei Jahren tot!“

Diese und ähnliche Aussagen sind die häufigen Antworten auf die Frage nach Azaleen in den Bonsaisammlungen der Mitglieder unseres Arbeitskreises.
Grund genug, um im Arbeitskreis einmal intensiv über Azaleen zu sprechen.
Hans Kastner, ein Mitglied unseres Arbeitskreises, erklärte sich dankenswerterweise spontan bereit, einen Vormittag lang über Azaleen zu referieren.
Wer die Kastner-Sammlung kennt, weiß, daß die Familie Kastner in Adelsried über eine beachtliche Anzahl von Azaleen verfügt, die jedes Jahr erneut Besucher durch ihre Blütenpracht begeistern. Die Einladung zu diesem „Azaleentag“, wie wir ihn nannten, erging an alle benachbarten Arbeitskreise.
In der Zooschule, ein Lehmbau im Augsburger Zoo, der sich für solche Zwecke hervorragend eignet, trafen sich dann am Morgen des 20. Juni etwa 40 Bonsaifreunde.
Nach einer kurzen Begrüßung ging es dann zur Sache. Hans, der einige seiner Bäume mitgebracht hatte, klärte zunächst über die Herkunft dieser Pflanzenart auf. Azaleen wachsen zum Teil in sehr großen Höhen des Himalaya und es sind ungeheuer viele Varietäten bekannt, da sie, von japanischen Gärtnern sehr geschätzt, seit vielen Jahren bereits kultiviert und gezüchtet werden.
An den Boden sowie das Gießwasser stellen sie besondere Ansprüche. Das Pflanzsubstrat sollte sauer sein, deshalb ist es ratsam torfhaltige Erde, oder noch besser Kanuma, welches einen ph von 6,2 hat, zu verwenden.
Als Gießwasser sollte ausschließlich Regenwasser verwendet werden, vor allem in Gegenden, in denen das Leitungswasser kalkhaltig ist, wie es bei uns in der Augsburger Gegend der Fall ist.
Ausführlich ging Hans Kastner auch auf Krankheiten und Schädlinge ein. Er vergaß dabei auch nicht auf Düngemaßnahmen hinzuweisen.

Nach einigen Fragen der Zuschauer zur Überwinterung und dem besten Stellplatz für diese Bäume, wählte Hans Kastner einige Azaleen aus, an denen er Schnitt- und Gestaltungsmaßnahmen erklärte. Zunächst bekam ein Baum eines Arbeitskreismitgliedes einen kleinen Form- und Erhaltungsschnitt.
Anschließend machte Hans deutlich, daß manchmal sehr einschneidende Maßnahmen erforderlich seien, um einem von Haus aus guten Baum wieder eine ansprechende Form zurückzugeben. Zur Überraschung aller wählte er dazu einen Baum, der in voller Blüte stand!

Diese Satsuki Azalee wird rasiert


 

(Bild 1), ein Prachtstück wie ich meinte. Er erklärte, daß diese Azalee aus der Form gewachsen wäre und deshalb stark zurückgeschnitten werden müßte.
bereits ohne Blüten

 

Bei jedem Schnitt, der vorgenommen wurde (Bild 2) ging durch die Zuschauerschaft ein Seufzen, dachte doch jeder, daß dieser Baum zu schade dazu wäre, wenn so viele Blüten und Äste der Schere zum Opfer fallen würden.
der nackte Torso

 

Am Ende stand ein Baumgerüst auf dem Drehteller (Bild 3), aber ein Gerüst, welches erkennen ließ, daß nach einem neuen Austrieb im Laufe dieses Jahres die fabelhaften Anlagen des Baumes hervorgehoben werden.
Der perfekte Aufbau des Baumes, vorher nicht erkenntlich, weil zugewachsen, kam nun deutlich zum Vorschein. Alle Zuschauer waren sich am Ende einig, daß diese extreme Demonstration eines Gestaltungsschnittes wieder mal gezeigt hatte, daß man selber bei Schnittmaßnahmen eher zu wenig, als zuviel entfernt.
Oktober: neues Laub Hans versprach, diesen Baum im Herbst (Bild 4) oder nächsten Frühjahr im Arbeitskreis vorzuzeigen.
Einige Zuschauer bedienten sich an den Schnittabfällen um sie als Stecklinge zu verwenden. Wie ich in kürzlich erfahren habe sind einige dieser Stecklinge zwischenzeitlich bereits bewurzelt.

Am Ende, es war bereits Mittag, zeigte uns Hans wie bei einer Azalee ein Wurzelschnitt zu machen ist. Er topfte dazu eine, von Monika Fehre mitgebrachte, Azalee in eine neue, passende Schale. Bei dieser Gelegenheit wurde auch über geeignete Azaleenschalen diskutiert. Nach Meinung der Teilnehmer eignen sich glasierte Schalen ebenso wie unglasierte, um den typischen Charakter einer blühenden Azalee zu betonen.

Die einhellige Meinung der Teilnehmer nach dem Ende dieser Veranstaltung:
„So etwas sollte man öfter machen!“

Otto Ellenrieder

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