Schneiden von Kiefern

Immer wieder ist zu hören, daß Probleme bei der Behandlung von Kiefern auftreten. Das am häufigsten genannte Thema, ist das Schneiden der Triebe und Nadeln.
Nachdem ich mich auch schon seit ca. 15 Jahren mit zwei- und fünfnadligen Kiefern befasse, habe ich 1995 begonnen, die ganze Sache etwas systematischer anzugehen.
Hier meine Ergebnisse, ausdrücklich darauf hin weisend, daß es meine Erfahrung in meinem Klimabereich sind!

Japanische Schwarzkiefern (Pinus thunbergii)
Bei der oben genannten Kiefernart muß man wissen, daß der Ursprung der Importbäume meistens von der Insel Shikoku ist.
Der Breitengrad liegt auf der Höhe von Marokko! Die Temperaturen sind sehr hoch, oft über 30 Grad, aber bei einer Luftfeuchtigkeit weit über 70 %!
Hier wachsen Steineiben und Kiefern nebeneinander im Feld!

Schwarzkiefern


Importkiefer Die Japanischen Schwarzkiefern kommen meistens zwischen Ende Dezember und Ende Februar in Europa mit den sogenannten Herbstnadeln an.
Das heißt, daß diese Nadeln extrem kurz sind, da sie von dem zweiten Austrieb stammen. Ausserdem haben diese Kiefern kräftige Knospen, gleichmäßig über den ganzen Baum verteilt.
Wir in unserem "medipolaren" Klima können von den japanischen Klimabedingungen nur träumen.
Es ist bei uns wichtig, diese Kiefern geschützt zu überwintern, das heißt nicht, daß sie keinen Frost vertragen! Einige Minusgrade (-10 Grad Celsius ) werden nach einigen Jahren noch gerade so akzeptiert. Ein helles Kalthaus, das vor Sonne und Wind schützt, wäre ideal.
Bei uns dauert es bis zu fünf Jahren, bis die Schwarzkiefer an allen Triebenden gleichmäßig Knospen bildet und auch austreibt.
So ist es durchaus normal, daß im ersten Jahr nur ca 10% der Knospen austreiben, im zweiten Jahr vielleicht 30 % und im darauf folgenden 50 %.
Dabei werden die Nadeln immer länger! Erst wenn alle Knospen austreiben, kann man darangehen mit der Reduzierung der Nadellänge und Verzweigung der Kiefer zu beginnen.

Folgende Methoden in Kombination haben sich als für uns brauchbar herauskristallisiert:

1.: Abdrehen der Kerzen auf ein Drittel (bekannt) im Stadium des Öffnens der Nadeln. Japanische Schwarzkiefern haben aber sehr oft die unangenehme Eigenschaft, sogenannte Keulenkerzen zu entwickeln. Das heißt, daß beim Strecken der Kerzen im unteren Bereich keine Nadeln zu finden sind. Erst im oberen Bereich der Kerze häufen sich die Nadeln, was für einen kompakten Wuchs absolut ungeeignet ist.
Hier hilft nur das Schneiden der Kerzen zum richtigen Zeitpunkt.
Ich gebe kein Datum an, da es auf Grund der klimatischen und anderer Bedingungen nicht möglich ist, aber im weiteren Text der Zeitpunkt für jeden erkennbar sein muß.

Zwei Möglichkeiten bieten sich hier an:
2.: Rückschnitt des Neuaustriebes sofort nach Beginn des Streckens der Kerzen. Das hat den Vorteil, daß im selben Jahr ein zweiter Austrieb angeregt wird.
Der Nachteil ist, daß der Baum geschwächt wird, weil er nur mit den alten Nadeln Assimilate bilden kann.
Aber Vorsicht:
Sind die klimatischen Bedingungen nicht ausreichen, also zu kalt und zu naß, dann werden diese Triebe nicht die gewünschte kompakte Form haben und ein Jahr der Pflege ist verloren. Diese Triebe machen nur halb auf, bleiben also in ihrer Entwicklung stehen und müssen im nächsten Jahr komplett entfernt werden.

3.: Um dies zu vermeiden ist die Methode des Entfernen aller neuen, ausgereiften Triebe Mitte August am besten geeignet, um im nächsten Jahr mehr Verzweigung und kürzere Nadeln zu bekommen.
Ein weiterer Vorteil ist, daß die Nadeln in der Hauptvegetationsperiode den Baum optimal versorgen.
Dies ist eigentlich der Grund, daß eine Schwarzkiefer nur jedes Dritte Jahr ausstellungsreif ist. Zu dieser Prozedur gehören noch begleitende Maßnahmen wie ausreichend Düngen (organisch) und zum richtigen Zeitpunkt das Entfernen der alten Nadeln.

Diese Methode ist bei allen zweinadligen Varianten, auch bei den europäischen Arten erfolgreich.



Mädchenkiefern (Pinus parviflora)

Mädchenkiefer

Die Mädchenkiefer wird im Gegensatz zu der Schwarzkiefer in weiten Klimazonen kultiviert, so kann es vorkommen, daß Mädchenkiefern von Hokkaido oder von Shikoku gleichzeitig bei uns eintreffen. Diese extremen klimatischen Gegensätze sind eigentlich kaum noch zu überbieten.
Das Schneiden der Mädchenkiefer ist im Gegensatz zu der Schwarzkiefer wesentlich differenzierter zu betrachten. Auf der einen Seite ist die Methode des Ausbrechens der sich streckenden Kerzen auf ein Drittel Standard.
Auf der anderen Seite wird immer wieder behauptet, die Kerzen der Mädchenkiefern können nicht geschnitten werden (hat man wieder mal ohne zu denken und zu experimentieren voneinander abgeschrieben!)
Daß auch Mädchenkiefern geschnitten werden können habe ich in einigen Versuchen nachgewiesen.
Aber:
Bei der Mädchenkiefer können Knospen kommen, müssen aber nicht, im Gegensatz zu der Schwarzkiefer.
Wo das Schneiden unerlässlich ist, ist dann, wenn sie zu blühen beginnen.
Hier muß ohne Rücksicht, sofort bei Erkennen der Blüten, der neue Trieb bis auf einen kleinen Rest entfernt werden.
Nur so kann vermieden werden, daß lange, nadellose Bereiche bei den Trieben vorkommen. Es kann trotz Allem nicht vermieden werden, daß einige Triebe einfach nicht bis hinten benadelt sind, weil ein absolutes gesteuertes Wachstum nicht möglich ist, schließlich sind es Pflanzen, die nach eigenen, oft von uns nicht verstandenen Gesetzmäßigkeiten wachsen.

Alle anderen, fünfnadligen Varianten habe ich nicht getestet und kann deshalb darüber keine Auskunft geben, aber im Prinzip müsste es auch gehen. Hier ist jeder gefordert, seine eigenen Erfahrungen zu machen, vielleicht kann ich dann davon hören, es würde mich freuen!

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