Wundbehandlung bei Bonsai:

Bei der Bonsaigestaltung ist es unerläßlich, mit der Schere oder Zange korrigierend in den Wuchs einzugreifen. Dabei entstehen mehr oder weniger häßliche Wunden. Wird diese Wunde nicht entsprechen versorgt, wird ein gefälliges Zuwachsen der Schnittstelle verhindert und eine häßliche Narbe zurückbleiben, die bei einer richtigen Behandlung zu vermeiden gewesen wäre. Viele scheuen sich, geeignete Schnittmaßnahmen zu ergreifen, es könnte ja dem Bonsai weh tun.

Über 15 Jahre hinweg habe ich versucht, dieses Thema in den Griff zu bekommen. Ich kann Heute sagen, daß ich durch viele Versuche zu den in der weitern Folge beschriebenen positiven Erkenntnissen und Ergebnissen gekommen bin.

Kürzung des Leittriebes


Acer palmatum mit horizontalem Schnitt

Die größten Probleme sind immer im Kronenbereich anzutreffen, wenn ein kräftiger Ast eingekürzt werden mußte um den Bonsai auf eine gefällige Höhe zu bringen. Dabei entsteht immer eine Wunde, die durch die Anordnung meistens außerhalb des zurückströmenden Saftflußes ist. Diese Wunde wird immer zu einem verknorpelten Ende führen, das eine Weiterführung des Leittriebes fast unmöglich macht.


Prinzip

Prinzipskizze Saftstau

Wenn man sich das Prinzip der Wundheilung näher betrachtet, dann kommt man zu dem Ergebnis, dass nur durch eine bestimmte Form der Wunde ein optimale Heilung erfolgen kann.
Durch die Trennung der leitenden Bahnen des Siebteiles kommt es zu einem Stau der abwärts geleiteten Assimilate. Der Baum reagiert mit verstärktem Wuchs des Kallus, um die Wunde so schnell wie möglich zu verschließen.
Dies kann am besten an der Stelle geschehen, wo der Rückstau am größten ist. Auf der Prinzipskizze ist der Stau durch die Anzahl der Pfeile markiert.
Wie deutlich zu erkennen ist, wird auf der oberen Seite der Wunde die stärkste Kallusbildung einsetzen. Ist die Wunde wie gezeigt dargestellt, fließen die Wundränder sehr schnell aufeinander zu und sorgen so für einen optimalen, gleitenden Verschluß. Wichtig hierbei ist, daß keine unschöne Verdickung entsteht.


Beispiel

behandelte Schnittstelle Gipfelbereich

Bei diesem Acer palmatum mußte der Gipfel abgesetzt werden. Dies war an einer Stelle möglich, an der bereits Seitentriebe vorhanden waren. Der linke Seitentrieb wird dabei die neue Stammfortführung, während einer der rechten Seitentriebe einen Ast bilden wird. Die Entscheidung erfolgt nach dem Beginn der Kallusbildung.
Der erste Schnitt erfolgte horizontal, dann wurde mit einem scharfen Messer (vorher in Spiritus desinfizieren!) diese keilförmige Form auf beiden Seiten des Stammes herausgeschnitten. Am Besten im zeitigen Frühjahr beginnen, damit ein kräftiger Zuwachs erfolgt. Diese Wunde wird mit Wundverschlußmittel, am besten mit dem Japanischen Wundkitt verschlossen, blutet die Wunde wegen des starken Saftdruckes (auf dem linken Bild zu sehen!), mit dem Verschließen warten, bis das Bluten aufgehört hat.


Beginnende Wundheilung

Beginnende Überwallung

Daß die ganze Prozedur erfolgreich war, kann man daran erkennen, daß sich an den Wundrändern der Wundkitt ablöst, wie auf dem rechten Bild sehr schön zu erkennen ist.
Dies kann man meistens schon nach einigen Wochen beobachten. Dann muß der Wundkitt wieder angedrückt werden , u.s.w.

Nachbehandlung alter Schnittstellen

Alte Schnittstelle mit gutem Holz

Sehr häufg findet man an Bonsai Schnittstellen, die noch nicht ganz zugewachsen sind. Meistens liegt es daran, daß die Wundbehandlung nicht abgeschlossen wurde oder werden konnte. Dies trifft auf die meisten frisch importierten Bonsai zu. Wenn die Schnittstelle so aussieht wie links auf dem Bild zu sehen ist, dann ist es relativ einfach hier weiterzuarbeiten. Zuerst prüft man ob das zu überwallende Holz noch fest und hart ist. Wenn dies der Fall ist, kann man mit einem scharfen Messer (wie in dem markierten Bereich zu sehen) den vorhandenen Wundverschluß anritzen, bis man ein frisches Grün sieht. Das hat zur Folge, daß der Baum dies als neue Wunde erkennt und wiederum verstärkt mit der Bildung von Wundkallus beginnt.

Alte Schnittstelle mit morschem Holz

Wenn das Holz allerdings morsch und vewittert ist, wie auf dem Bild rechts zu erkennen, muß die ganze Wunde komplett neu präpariert werden. Als Erstes wird der ganze Bereich mit einer Fräse ( wenn vorhanden ) von allem morschen Holz befreit. Manchmal ist die so entstehende Wunde sehr tief, aber nicht zu ändern.
Und hier beginnt das Problem. Der Wundkallus wird nur dann eine Wunde verschließen, wenn er über einen festen Untergrund gleiten kann. Wir müssen also eine Bedingung schaffen, die der Wundkallus akzeptiert.
Viele Versuche führten zu dem Resultat, daß die beste Methode ein Auffüllen der Vertiefung mit einem Betonähnlichen Stoff ist. Dies kann sein, Moltofill, Schnellbeton, Prestolit uam.


Prinzip der Füllung von tiefen Wunden

Prinzip der Füllung mit Plombe



Auf der Prinzipskizze links kann man sehen, daß die Füllung bis fast an den Rand geht. Genau genommen sollte sie bis Kante Holz gehen. Jetzt kann der Wundkallus gebildet aus dem Kambium, ungestört über den festen Untergrund gleiten und die Wunde optimal verschließen. Zweckmäßigerweise wird vor dem Befüllen das Holz mit unverdünntem Jin Mittel behandelt, um gegen eventuell vorhandene Schadpilze zu schützen.
Nach einem Jahr wird die Wunde wieder nachbehandelt, also wie unter Nachbehandlung alter Schnittstellen beschrieben die Wunde verletzt u.s.w.


Beispiele vernarbter, großer Schnittstellen

Verheilte Wunde an Acer palmatum Kiyohime

Verheilte Wunde Kirsche

Wunde Groß

Beginnende Heilung

Die Narben auf den beiden oberen Bildern sind von einem Acer palmatum Kiyohime, der immerhin 4 Jahre gebraucht hat, um die Wunde zu verschließen.
Der Wundendurchmesser war anfänglich ca. 5 cm und ca. 1cm tief. Erst nach Befüllen mit Moltofill (für außen) kam es zu der erwarteten Reaktion.
Bei dem Bild rechts oben handelt es sich um eine Kirsche, Prunus serrulata, die überaus kritisch in der Wundheilung ist. Rechts unten ist ebenfals eine Kirsche zu sehen, die einen guten Ansatz für eine komplette Wundheilung zeigt (Durchmesser ca. 4 cm ), allerdings ist hier auch eine permanente Nachbehandlung erforderlich!


Fazit:

Schnittwunden am Bonsai sind nicht zu vermeiden, können aber durch Anwendung entsprechender Techniken zu einer Bereicherung der Stammstruktur werden.
Ein permanentes Beobachten und Eingreifen ist aber hier genau so wichtig wie zum Beispiel das Beobachten des einwachsenden Drahtes. Nur so ist gewährleistet, daß der gewünschte Effekt eintritt.


Johann Kastner

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